Die letzte Etappe, vom Uluru zur Great Ocean Road und weiter nach Neuseeland

Donnerstag, 16. Mai – In das Herz Australiens

Da endlich taucht er auf, am Horizont links neben der Straße: der vermutlich berühmteste rote Felsen der Welt, ein Bild, das jeder kennt und mit eindeutig Australien verbindet, das Herzstück, die rote Mitte, die Ikone Australiens schlechthin, Uluru in der Sprache der Anangu, Ayers Rock in der Sprache der Weißen.

Mittags erreiche ich den Nationalpark , der den Uluru umgibt, und staune über die riesigen Parkplätze und Schilder: Sunset Viewing Area hier, Sunrise Viewing Area dort, Busse hier hin, PKW dorthin, Kulturzentrum und Andenken hier, Restaurant, Café und Toiletten dort. Ich bin froh, dass gerade keine Hauptsaison ist.

Es ist noch früh genug für einen Umrundung und ich mache mich bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg. 10,5 Kilometer ist die Runde lang. Imposant und erhaben steht er zu meiner Rechten, besser gesagt, liegt er, der Uluru. Weite Strecken darf man nicht fotografieren, denn diese Gebiete sind für die Aboriginals besonders bedeutsam. Hier hat die Erosion Hieroglyphen und Muster in den Sandstein geschrieben, die viele Geschichten erzählen. Die alten weisen Frauen hüten die Geschichten und geben sie weiter.

Eigentlich nur ein fantastisch schöner Felsen, der sich seltsam einsam aus der weiten Landschaft erhebt, denke ich. Doch etwas berührt meine Seele, als ich so drum herum laufe. Ich bin ergriffen von der Erhabenheit und Würde des Gesteins und singend umrunde ich den uralten Fels.

Die Sonne verneigt sich vor der Erde und der Sandstein fängt an, rot zu glühen.

Freitag, 17. Mai – Kata Tjuta, die Schwester des Uluru

Fünfzig Kilometer weiter erheben sich die roten Felsen der Kata Tjuta, ebenfalls ein heiliger Ort, ein Versammlungs- und Zeremonialplatz für Männer. Ich wandere durch das Tal der Winde, durch 150 Meter hohe Sandsteinschluchten, an deren Wänden Licht und Schatten spielen. Der Wind bläst unablässig hindurch, ansonsten herrscht tiefe Stille.

Weithin sichtbar, einzigartig und eindrucksvoll, kann ich mir gut vorstellen, dass diese Orte seit uralten Zeiten eine ganz besondere Bedeutung für die Menschen einnahmen, die hier umherwanderten.

Für mich wird dieser Anblick unvergeßlich bleiben. Dankbar und zutiefst berührt fahre ich weiter und winke zum Abschied. Good by, Uluru! See you next time!

Montag, 20. Mai – Eine Frau gräbt sich in den Fels

Ich fahre weiter bis Coober Pedy, eine kleine Siedlung mitten in der Wüste. Hier ist das Outback flacher, weiter, heißer, karger und staubiger als anderswo. Im Untergrund liegen Opale im Gestein. Die  rund 2000 Einwohner stammen aus 47 Nationen. Alles Glücksritter, die nach Coober Pedy kamen, um den einen großen Opal zu finden. Für 130 Dollar Lizenzgebühr darf man sich einen Claim, 50 mal 100 Meter, abstecken und ein Jahr lang buddeln. Viele wohnen in ihrer Mine, haben sich häuslich eingerichtet, denn dort unten herrschen durchgehend angenehme Temperaturen, während es im Sommer oberirdisch bis zu 50 Grad haben kann.

Faye Nayler kam in den 60iger Jahren als Köchin nach Coober Pedy. Mit dem Kochen hatte sie es aber nicht so, sie nahm lieber die Mine, die gerade zum Verkauf stand. Mit zwei Freundinnen grub sie nach Opalen und haute sich eine beeindruckende Behausung in den Fels. Zehn Jahre haben die Mädels geschuftet, bis die Wohnung fertig war, mit Salon, Schlafgemächern, Bar und Weinkeller. Als Faye genug Geld mit Opalen verdient hatte, baute sie sich sogar einen Pool und ließ das Wasser dafür, ein absolutes Luxusgut, mit einem Tanklaster kommen. Sie war die erste und einzige Frau in dieser Männerwelt. Und sie war verdammt erfolgreich.

Montag, 20. Mai, abends – ich hab den Blues

Ich fahre von Coober Pedy Richtung Süden, Richtung Adelaide. Das Ende der Reise naht. Als zu meiner Linken der Lake Hart auftaucht, weiß ich, wo ich die Nacht verbringen werde. Die riesige, tischebene, in der Sonne glitzernde Fläche fasziniert mich. Schon wieder ein Stück Landschaft gewordene Endlosigkeit.

Die Sonne neigt sich dem Horizont zu und wirf zarte Rosa- und Violetttöne über die Kristalle und mir wird schlagartig klar, dass dies meine letzte Nacht im Outback sein wird. Mich überfällt voll der Blues. Ich tröste mich mit der Aussicht auf zehn Tage Süd-Australien, die noch vor mir liegen und die anschließenden drei Monate Neuseeland.

Freitag, 24. Mai – Frühstück mit Wallabies

The Grampians ist ein kleiner Nationalpark östlich von Adelaide. Unvermutet tauchen aus der etwas langweiligen Agrarlandschaft (so was wie Wetterau in groß, riesengroß) dicht bewaldete Berge auf. Ich suche mir einen der typischen Nationalpark-Campingplätze mitten im Wald, zu erreichen nach etlichen Kilometern Schotterpiste, voll ausgestattet mit einem Kompostklo und sonst nichts. Dafür Einsamkeit und Stille pur. Soweit man von Stille reden kann, wenn eine Horde Kookaburras loskreischt. Das Geschrei klingt wie schallendes Gelächter und ich werde es echt vermissen. Erstmal Feuer machen, herrlich! Nach drei Tagen dort stinken der Van und ich wie geräucherte Salami.

Morgens frühstücke ich gemeinsam mit einer Sippe Wallabies. Eines ist etwas aufdringlich und stöbert auf meinem Tisch herum.

Heute auf dem Sportplatz von Halls Gap, bei schlechten Wetterbedingungen, dennoch unverdrossen: Die All Greys aus Hoppelhausen gegen die Beutelfreunde aus Kängucity. Nicht alle sind mit dem gleichen Enthusiasmus bei der Sache.

Dienstag, 28. Mai – das letzte Highlight auf meiner Reise

Die Great Ocean Road – eines der weiteren Touristenhighlights Australiens, das fast jeder kennt, bei heftigem Wind und Schauern. Nicht umsonst heißt das Meer hier Südpolarmeer. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Obwohl ich zugeben muß, dass das tosende Wetter gut zu den gewaltigen Küstenformationen paßt. Und, auch das muß ich zugeben, fällt mir der Abschied von Australien bei diesem Sauwetter ein winziges bißchen leichter.

Von den berühmten zwölf Aposteln bin ich etwas enttäuscht. Es nur sieben. Früher hießen die in der Brandung stehenden Felsen Sau und Ferkel, bis jemand auf die Idee kam, dass Apostel für Touristen attraktiver klingt. Und zwölf Apostel klingt noch besser. Das Konzept funktioniert so gut, dass es heute dort einen Parkplatz für Busse gibt, ein Infocenter, was ein besserer Kiosk für Kram und Kaffee ist, angelegte Wege und Stege und Horden von Menschen. In meinen Augen sind die heiligen Kerle nicht die spannendste Formation an dieser von der Brandung künstlerisch gestalteten Küste.

Mittwoch, 29. Mai – Frierend und glücklich

Ich kann mich noch nicht überwinden, heute schon nach Melbourne ins Hotel zu fahren, auch wenn es kalt und regnerisch ist. Nach so viel Natur und Abenteuer schreckt mich die Vorstellung einer wuseligen riesigen Stadt. Ich verbringe die letzte Nacht lieber in meinem treuen Smokey Silver im Otway Nationalpark, ein kleiner Abstecher von der Great Ocean Road ins Inland. Der übliche wunderschöne Nationalpark-Campingplatz mit Kompostklo mitten im Wald, in Stille und Einsamkeit. Nein, nicht ganz, ein einzelner Mensch kampiert dort. Dave aus Geelong hat seit drei Tagen sein Lager hier aufgeschlagen. So sieht original australisches Camping aus:

Spontan lädt er mich an sein herrlich wärmendes Lagerfeuer ein, und später zu einem köstlichen Chicken Curry aus dem Eisentopf. Also beschließe ich, die Nacht hier zu verbringen und wandere zum Lake Elisabeth mit seinen merkwürdigen Baumstämmen, die seit Jahrzehnten aus dem Wasser ragen.

Freitag, 31. Mai – Heulender Abschied

Wehmütig und voller Abschiedsschmerz schaue ich zurück auf drei großartige Monate in diesem riesigen Land, das eigentlich ein Kontinent ist. Das einzige Land der Welt, wo die Mehrzahl der Tiere sich hüpfend fortbewegt.

Hatte ich schon erwähnt, dass hier alles riesig ist? – Die Entfernungen, die Wälder und Bäume, die LKW, die Bärte und die Steaks?

 

Ich will auch nicht verschweigen, dass ich Krisen hatte. Die erste nach sieben Wochen, als ich morgens aufwachte und keine Lust mehr hatte. So ein Roadtrip besteht aus einem beständigen Fluß von Abschiednehmen und Aufbrechen ins Unbekannte. Das kann manchmal ermüdend sein. Nach einem Tag Nichtstun war die Krise überstanden und weiter ging die Reise.

Ich bin zutiefst dankbar für die Erlebnisse und Erfahrungen, für die schönen Begegnungen mit den immer freundlichen und entspannten Aussies (ich hatte kein einziges schlechtes Erlebnis mit den Aussies), den Anblick der vielen hüpfenden, fliegenden, kreischenden Tiere trage ich mit mir. Erkenntnisreich ist auch die Begegnung und Auseinandersetzung mit mir selbst, was zwangsläufig geschieht, wenn man lange alleine unterwegs ist.

Mein Fazit zum Schluß: Es ist nie zu spät, seine Träume zu verwirklichen. Und es tut sooo gut.

Samstag, 1. Juni – Ein neues Kapitel beginnt

Ich mache einen kleinen Sprung über die Tasman See nach Wellington, Neuseeland, und mit dem Mini-Flieger weiter nach Takaka, in der Golden Bay am oberen Zipfel der Südinsel, gleich neben dem wunderschönen Abel Tasman Nationalpark, einem meiner Lieblingsplätze in Neuseeland.

Hier werde ich in den nächsten drei Monaten das Shady Rest Bed & Breakfast managen, dessen britischer Besitzer im sommerlichen England weilt. www.shadyrest.co.nz

Ja, ich mache mit gutem Gewissen Schleichwerbung, denn es ist ein traumhaft schönes, gemütliches und stilvolles Haus.

Im Winter ist nicht viel los, oft sind tagelang keine Gäste da. Gerade eben sitze ich bei guten 17 Grad draußen in der wärmenden Wintersonne, doch die Nächte sind kalt, so um die 8 Grad derzeit, was man in einem Haus ohne Zentralheizung ziemlich spürt. Aber kalte Nächte bin ich ja seit Alice Springs gewöhnt. Das abendliche Kaminfeuer tröstet mich, es ist herrlich!

 

2019-06-07T06:08:46+00:00