Endlich ins Outback!

Donnerstag, 2. Mai – Aufbruch in Townsville

Nach all diesen Küsten und Bergen freue ich mich auf die  herausfordernde Ödnis des Outback. Das wird fein!

2000 Kilometer bis Alice Springs, dann noch einmal 1500 Kilometer bis Adelaide. Das ist ungefähr so, als würde ich in Stockholm starten und über Kopenhagen, Hamburg, Paris, Madrid bis Andalusien fahren. Und die ganze Strecke eintönige savannenähnliche Landschaft. Und das ist nur das halbe Outback!

Hinter Townsville überquere ich noch einen Gebirgszug, die Dividing Ranges, dann wird die Landschaft ganz allmählich flacher, trockener und eintöniger.

Endlose Ebenen bis zum Horizont, ab und zu mal ein paar kleinen Erhebungen, unvermutet ein Canyon, in dessen Schatten Bäume um ihr Leben kämpfen, Wasserstellen, an denen sich Ortschaften angesiedelt haben, rote Erde, Staub, das unverwüstliche allgegenwärtige Spinifex-Gras. Ein sogenannter Highway, ein Band aus Asphalt, zerteilt schnurgerade die Landschaft. Ein totes Känguru am Straßenrand, über das sich Raubvögel hermachen. Endlose Einsamkeit pur!

Ich fahre und fahre. Die Gedanken schweifen umher wie Schmetterlinge. Meditation auf dem Highway. Die weite Landschaft und der riesengroße blaue Himmel darüber gibt Raum für Erinnerungen, die aus meinem Gedächtnis aufsteigen. Mir fallen Dinge und Begebenheiten ein, die ich längst vergessen hatte. Ideen steigen auf, neue Träume treten ins Licht. Und immer wieder drängt sich eine Frage dazwischen: was mache ich eigentlich in Ober-Ramstadt?

Sonntag, 5.Mai – Australien ist schweinereich

In Mt. Isa fange ich an zu verstehen, warum Menschen freiwillig in dieser Wüstenei leben: hier liegt der Reichtum Australiens in der Erde. Gold, Zinn, Mangan, Kupfer, Kohle, Smaragde, Opale, und was noch alles. All die Schätze lockten schon vor 150 Jahren Schätzsucher, Entdecker und Abenteurer an. Und heute kommen die Touristen.

Montag, 6.Mai – Mutter Teresa war hier!

Tennant Creek. In einer der fünf größeren Städte im Outback mit immerhin 2800 Einwohnern war seinerzeit Mutter Teresa. In der katholischen Kirche, die sich rühmt, damals die längste Kirche Australiens gewesen zu sein, hängen Bilder von ihrem Besuch – mit vielen Fotos, Zeitungsausschnitten und einem Altar wird sie hoch verehrt. Der Gouverneur des Northern Territory war auch dabei. Sie hat Einrichtungen ins Leben gerufen für arme, verlassene Frauen und für Kinder. Und davon gibt es jede Menge.

Donnerstag, 9. Mai – Die Kugeln des Teufels

Die Devil‘s Marbles, etwas südlich von Tennant Creek, am Stuart Highway gelegen, sind ein heiliger Ort für den Stamm der Aboriginals, die hier in der Gegend leben. Der Highway durchzieht das Outback von Süd nach Nord, von Adelaide bis Darwin, wie ein schnurgerades Band aus Asphalt.

Samstag, 11. Mai – Die Kälte und die Fliegen

Ich habe ja schon von kalten Wüstennächten gehört, aber immer die Sahara damit verbunden. Es ist saukalt nachts, 2 Grad, der Van hat keine Standheizung und ich habe alles doppelt an. Morgens aus den Decken kriechen ist echt hart. Heißer Kaffee und Warten auf die ersten Sonnenstrahlen, herrlich!

Die MacDonnell Ranges sind ein Gebirgszug westlich von Alice Springs. Hier gibt es Wasser im Schatten tiefer Canyons, und so ist Gegend seit 20.000 Jahren von Aboriginals besiedelt. Die Wasserstellen haben einen ganz eigenen Zauber in dieser Wüstenei. Es ist still, ganz still. Jedenfalls wenn man bei Sonnenaufgang dort ist, bevor lärmende Menschen kommen und die Fliegeninvasion über mich herfällt.

Und noch einmal: Die australische Fliege!

Vor einiger Zeit hatte meine kleine Abhandlung über die australische Fliege vielleicht noch einen Anklang von freundlichem Humor enthalten. (siehe 19. April in Emerald) Heute wäre sie eine einzige Schimpftirade. Diese verdammten, lästigen, aufdringlichen, sch… (weitere sieben Schimpfwörter, wahlweise in deutsch oder englisch) Mistviecher! Es ist mir ein Rätsel, wie so ein Viech es schafft, aus zwei Kilometer Entfernung in vollem Sturzflug, absolut zielsicher und ohne abzubremsen direkt in mein linkes Nasenloch zu steuern. Sie bevorzugen eindeutig mein linkes.

Ich habe mir ein Fliegennetz gekauft, so habe ich sie wenigstens nicht im Gesicht.

Sonntag, 12. Mai – Hermannsburg, auch Deutsche haben Spuren hinterlassen

Hermannsburg, der Name sagt alles. Eine deutsche lutherianische Mission mitten in der Wüste, um den Aboriginals zu zeigen, wie man gottgefällig lebt. Nun ja.

Heute angeblich eine der größten aboriginalen Gemeinden, berühmt deshalb, weil ein bekannter Künstler hier geboren wurde. Für mich ein deprimierender Anblick. Nirgendwo in Australien habe ich so viel Müll gesehen, nirgendwo so viele traurige Gestalten. Die Mission ist heute ein Museum und ich habe mich mit dem Leiter ein wenig unterhalten. Von den 600 Seelen des Ortes sind 550 Aboriginals, die meisten leben von staatlicher Fürsorge. Es gibt eine Schule mit rund 200 Kindern, von denen 120 nur unregelmäßig erscheinen, weil zuhause die Unterstützung fehlt. Es gibt keine Jobs, aber auch keine Ambitionen, das zu ändern. Stattdessen wird die Stütze in Autos und Alkohol gesteckt. Es stimmt mich unendlich traurig, die Ruinen der überheblichen weißen Kolonialpolitik zu sehen. Der Schaden ist immens, die Traditionen verloren, die Menschen irren entwurzelt zwischen den Welten.

Dienstag, 14. Mai – Der Kings Canyon, südwestlich von Alice Springs.

Ach ja, Alice Springs. Eine Stadt mitten in der roten Savanne. Größer und städtischer als ich dachte, nicht besonders hübsch, wie fast alle australischen Städte, aber es gibt hier alles, was man so braucht.

Ich dachte immer, der berühmte Uluru, auch als Ayers Rock bekannt, läge gleich neben Alice Springs. Tut er auch, in australischen Maßstäben. Schlappe 500 Kilometer.  Auf dem Weg dorthin mache ich einen kleinen Abstecher zum Kings Canyon, ein wunderschönes Naturspektakel. Was bedeutet, ich mache einen kleinen Umweg von 1000 Kilometern, plus Kings Canyon, macht 1400 Kilometer Umweg… In 20 Millionen Jahren sind die Felsen aus ehemaligen Meeresboden entstanden, zu Sandstein verbacken und durch Wind und Wetter abgeschliffen. Tief unten gibt es eine dauerhafte Wasserstelle, ein heiliger Ort für die Aboriginals.

Mittwoch, 15. Mai – Nicht alle Bumerangs kehren zurück

Heute habe ich eine Aboriginal Tour gemacht, um mehr über dieses seltsame Volk zu lernen. Eine hier ansässige Familie gibt einen hervorragenden Einblick in diese alte Kultur. Tatsächlich hatten die Stämme des Red Center, die rote Mitte Australiens, weder Bumerangs, die zurückkehren, noch Didgeridoos. Sie gingen nackt, folgten dem Regen, der Pflanzen sprießen ließ, ernährten sich von Samen und Früchten, die die Frauen sammelten, und Tieren, die die Männer mit Speeren und Bumerangs jagten.

Ich finde die gepunkteten Bilder so schön, für mich der Inbegriff australischer Kunst, mußte aber lernen, dass es die erst seit den fünfziger Jahren gibt. Früher wurden Zeichen in den Sand gemalt oder an Höhlenwände. Erst mit dem Aufkommen von Papier, Leinwand und Acrylfarbe entstanden die getupften Bilder. Tradition wird modern und die Geschichten werden heute auf diese Weise lebendig erhalten.

Eine Protein- und Fettreiche Nahrung ist diese fette Made, ungefähr 10 Zentimeter lang, die in Baumwurzeln lebt. Sie wird roh oder in Glut gebacken gegessen.

Noch lebt sie, doch gleich wird sie verspeist…

Sie fühlt sich an wie ein Marshmallow und schmeckt nach Rührei und Popcorn, durchaus lecker. Doch, wirklich!

 

2019-05-19T10:09:18+00:00