Von Melbourne bis Sydney und Blue Mountains

Mittwoch, 6. März – Hi, Australia!

Blöderweise ist die Vermietung meines neuen Heims auf Rädern am anderen Ende von Melbourne und schon geschlossen. Ich lasse mich mit dem Taxi durch die Stadt kutschieren, au weia, ist das riesig. Ich bin das nicht mehr gewöhnt. Das Auto steht für mich bereit, der Schlüssel im Kasten mit einem Code gesichert. So war es verabredet. Die Vermietung heißt Spaceship und mein Auto trägt den schönen Namen Smokey Silver. Das gefällt mir.

Es wird schon dunkel. Wohin nun?

Ganz schlau denke ich, Melbourne liegt am Meer, in einem der Vororte wird sich schon ein Parkplatz am Strand finden, wo ich die Nacht verbringen kann. Anscheinend mögen die Aussies das nicht, denn es gibt nur schrankenbewehrte Parkplätze am Strand. Jedenfalls dort, wo ich nachts in völliger Unkenntnis der Stadt herumirre. Also fahre ich raus, Richtung Westen.

Hinreichend müde lande ich letztlich auf einem Truckerparkplatz neben dem Highway. Nun, hier gehe ich wenigsten nicht verloren. Es ist saukalt, ich friere und bin froh, dass das Truckercafé um 6.00 Uhr schon offen hat. Ich wärme mich mit heißem Kaffee und einem fettigen Sandwich auf und schaue den Lastwagenfahrern, Straßenbauarbeitern, Handwerkern, Handelsreisenden und Pendlern zu, die sich hier unterwegs ihr Frühstück holen. Dampfenden Kaffee in Pappbechern und dicke fette speckige Sandwiches. Willkommen in Australien!

Sonntag, 10. März – Eine zauberhafte Bucht

Mystery Bay, ich campiere in einem wunderschönen Waldstück unter Bäumen.

Die Bay ist wunderschön, wenig los hier. Zum Sonnenaufgang bin ich allein mit den Wellen und Möwen. Ich frage mich, ob die Aussies eigentlich wissen, in was für einem zauberhaften Land sie leben.

Montag, 11. März – Eine abenteuerliche Nacht

Jetzt hatte ich mich so langsam an die Maori-Namen in Neuseeland gewöhnt (Pipiriki, Whanganui, Ngauruhoe und so was) und was lese ich hier, wenn ich die Karte studiere? Wagga Wagga, Wee Waa, Coombadjha… Ulladulla heißt der Ort, in dem ich Kaffeepause mache.

Ich fahre weiter Richtung Norden, der Küstenstreifen ist ziemlich dicht besiedelt hier und ich habe noch keine Ahnung, wo ich die Nacht verbringe. Noch ahne ich nicht, wie abenteuerlich die wird. Denn ich finde keinen schönen Platz, keine einsame Bucht oder kühlen Wald, nur Campingplätze voller riesiger Wohnmobile und Wohnwagen und alle voll ausgebucht. Etwas entnervt parke ich an einem See gleich neben dem Highway. Neben mir parkt noch einer, der gerade an seinem Van herumbosselt und ich frage ihn, ob er über Nacht hier bleibt. Hi, sure, ist die Antwort, und mir wird erklärt, dass der andere in dem Kastenvan, der ein paar Plätze weiter steht, das schon seit elf Jahren so macht. Im Auto leben und herumziehen. Okay, dann kann ich hier auch bleiben, denke ich, und bin nicht allein.

Gegen 22.00 Uhr ziehen Bagger auf dem Highway auf, lärmen und rumpeln auf der Straße herum. Nächtliche Bauarbeiten, na super. Eine Mücke nervt.

Aber die Morgenstimmung am See ist wundervoll und friedlich.

Dienstag, 12. März – Sydney, eine echte Überraschung, und die Blue Mountains

Heute ist Sydney dran. Ich habe die geniale Idee, das Auto in einem der Vororte zu parken und mit der Bahn in die Stadt zu fahren. Sightseeing inklusive. Denkste, die halbe Strecke verläuft unterirdisch. Na egal, ich komme jedenfalls entspannt am Circular Quai in der Innenstadt an. Der Anblick haut mich um, links die berühmte Harbour Bridge, rechts das noch berühmtere Opera House. Es ist heiß und sonnig, Sydney strahlt in bestem Licht.

Ich weiß nicht, ob ich das Opernhaus schön finde, jedenfalls ein architektonisch extravagantes Meisterstück. Ich bestaune die gerundeten Wände, die mit Kacheln belegt sind! Mit Kacheln!

Bevor ich mir die Füße ganz platt laufe, besteige ich eine Fähre. Da ich keine Ahnung habe, nehme ich irgendeine, zufällig fährt sie nach Manly. Die Vororte Sydneys verteilen sich rund um eine riesige Bucht mit vielen kleinen Nebenbuchten, und alle sind mit einer Fähre zu erreichen. So wie anderswo mit dem Stadtbus.

Ich bin von mir selbst überrascht, da ich mich als echte Landpflanze kenne, aber diese riesige Stadt hat mir richtig gut gefallen. Ich könnte glatt noch einen Tag in den Straßen herumirren und eigenwillige Architektur, Kaffee trinkende Menschen und knipsende Touristen bestaunen.

Dennoch fahre ich westlich raus in die Blue Mountains.

Die Blue Mountains heißen so, weil die Ausdünstungen der Eukalyptusbäume in der Luft bläulich schimmern. Gegen Abend laufe ich in Kaloomba ein, etwa eine Stunde westlich von Sydney.

Ich folge den Schildern zum Lookout und werfe ich einen entzückten Blick auf die Three Sisters, die sich glanzvoll und stolz im Licht der untergehenden Sonne über den Wald erheben. Mein Blick schweift über Berge und Wälder, Wälder und Wälder, nur unterbrochen von einigen bizarren Sandsteinformationen.

Die drei Schwestern wurden einst von einem Zauberer versteinert, um sie vor den Nachstellungen dreier Jünglinge zu schützen. Leider verblich der Zauberer, bevor er die Mädels zurück verwandeln konnte. Zum Glück, sonst wäre Australien um eine Touristenattraktion ärmer.

Donnerstag, 14. März – Eine mystische Wanderung im Nebel

Gestern hat es den ganzen Tag geregnet. Ich habe trocken und warm in der Library gesessen und gearbeitet, Mails beantwortet und geschrieben. Jede größere und kleinere Stadt verfügt über eine super ausgestattete Bücherei, nicht nur Bücher und Leseecken für Kinder, auch Internet-Arbeitsplätze und kostenloses W-Lan gibt es. Hier sitzt eine Schülerin und lernt, dort weiter hinten im Sessel strickt eine Rentnerin und liest dabei Zeitung, ein Junge zappelt vor einem Computerspiel, und die unvermeidlichen Traveller nutzen das kostenfreie Wifi, um zu chatten. Ich mag diese Libraries und arbeite gern dort.

Nun, und heute? Kein Regen, aber dicker Nebel. Ganz Kaloomba ist in eine dicke Wolke gehüllt. Ich lasse mir sagen, das sei hier fast immer so. Zum Glück überredet mich Lloyd, ein Neuseeländer aus meiner Lieblingsstadt Nelson, der in Sydney lebt, trotzdem die Wanderung an den Three Sisters und die Giant Staircase hinab zu machen. Na gut, ich muß mir sowieso mal wieder die Beine vertreten.

Auf der Aussichtsplattform kann man nicht mal von einem Ende zum anderen sehen, geschweige denn, irgendeine Sister. Ein bißchen schadenfroh schaue ich einem Haufen chinesischer Touristen dabei zu, wie sie lautstark mit Kameras und Smartphones hantieren und eigentlich nichts sehen. Die Armen. ich zähle neun Reisebusse!

Wie der Name sagt, ist der Giant Staircase in erster Linie eine Treppe, sehr viele Stufen im Fels, steil, sehr steil hinab ins Tal. Unten angekommen, stehe ich in einem Zauberwald. Nebel wallt zwischen den Bäumen, es ist still, nur Wasser tropft und Vögel kreischen. Niemand außer mir hier. Wer geht schon im dicken Nebel wandern. Wunderschön und irgendwie mystisch. Und klar, man ahnt es schon, was man hinabgestiegen ist,  muß man auf der andern Seite auch wieder hinaufsteigen. Ein super Training! Ein Sonnenstrahl lugt durch die Wolken und läßt den Nebel strahlen. Wunderschön!

Als ich zurückkomme, bedanke ich mich bei Lloyd, dass er mich so fröhlich motiviert hat, dem Nebel zu trotzen und meinen Hintern zu bewegen.

2019-04-12T04:54:40+00:00